Ein besonderer Tag am Obersee

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Die Wintersaison der Schifffahrt am Königssee hat begonnen und die Boote fahren nunmehr nurmehr bis St. Bartholomä. Wir haben eine der letzten Gelegenheiten genutzt und sind sehr spontan noch einmal dieses Jahr an den Obersee gefahren. Der jetzt für einige Monate in seinem stillen Winterschlaf liegt. Versteckt in seinem von Bergen umrahmten Kessel, am hinteren Ende des bekannteren Sees und für Monate quasi unerreichbar. Er mag nur ein kleinerer See sein, verglichen mit seinem großen, berühmteren Bruder. Und doch stellt er ein Kleinod dar und ein Idyll, das seinesgleichen nicht zu suchen vermag. Es muss schön sein, dort hinten im Winter, wo Natur für lange Zeit noch völlig für sich und unbeeinflusst bleibt.

Wir hoffen, die folgenden Bilder vermitteln einen kleinen Eindruck der Schönheit dieses Ortes, der nicht nur durch seine Spiegelungen zu entzücken weiß. Sondern, ganz allgemein, mit wirkungsvoller Atmosphäre. Der Text des heutigen Beitrag ist übrigens nicht von mir geschrieben, sondern durch einen Gastautor. Es handelt sich sozusagen um ein Co-Produkt. :-) Wir wünschen hoffentlich viel Spaß und Freude beim Lesen und Betrachten.

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Wir starteten an einem schönen Tag, an dem es nach über einer Woche Regen erstmals wieder aufklarte. Die Temperaturen waren kühl geworden, der dauerhafte Regen im Tal war auf den Bergen schon weit herab als Schnee gefallen. Die in dichtem Grau verhangen nicht mehr zu sehen waren.

Es war eine Wohltat, als an diesem Tag die Sonne wieder erschien. Und plötzlich, ganz verwandelt, in neuem weißen Gewand – tauchten Berge wieder aus sie umhüllenden Wolken auf. So boten sich uns auf dem Weg zum See bereits ganz neue, unerwartet imposante Blicke dar.

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Vom Dach des Hauses dampft in der wärmenden Sonne Frost, der sich verflüchtigt. Wärme und Licht breiten sich wohltuend wieder neu aus. Und von den Bergen sendet der Winter schon seine ersten Grüße.

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Der Berg aus diesem Bild heißt Hohes Brett, er ist 2340m hoch. Beeindruckt von seinem Anblick machen wir uns auf den Weg zur Seelände, in gespannter Erwartung auf den weiteren Tag.

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Unser Boot bringt uns sodann zunächst über den Königssee. Seine im Gebirge gebettete Lage präsentiert sich schlicht ein jedes Mal voll Faszination. Die wechselnden Farben seines Wassers, von grünsmaragd türkis bis himmelazurblau, die steilen Ufer mit ihren Felsen und ihrem Bewuchs und Höhlen, die man erspähen kann. Seine Klarheit und Ruhe, die mit jedem Meter weiter wächst.

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Auf den oberen Bildern ist entfernt im Hintergrund der Jenner zu sehen, ein bekannter Gipfel am Anfang des Sees. Wir haben also schon ein gutes Stück der Fahrt glücklich genossen und erreichen jetzt das bekannte St. Bartholomä.

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Die Ostwand des Watzmanns türmt sich jäh, noch aus Wolken, hinter dem Kirchlein auf.

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Unser Weg führt uns heute jedoch weiter, an St. Bartholomä vorbei. Mit jedem Meter wächst die Stille, wie wir schon sagten, und neue Anblicke tuen sich auf. St. Bartholomä lassen wir für heute deshalb zurück.

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Die Fahrt geht voran, und während wir uns an Sonne und wachsender Wärme erfreun zeigt sich an den Wänden des Sees, wo die Wolken schon etwas mehr auflockern, die Schneefallgrenze zwischen Berg und Tal.

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Recht rasch gelangen wir sodann zur Anlegestelle Salet. Hinter ihr türmen sich die Teufelshörner auf, 2363 und 2283 Meter hoch.

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Sie markieren dort oben den Beginn des sogenannten Steinernen Meeres, einer weitläufigen Hochebene mit vielen markanten Gipfeln, weitab hinter dem Königssee positioniert. Wer mag, kann dieses Meer durchwandern, in Tagesmärschen, und findet ein entlegenes Naturparadies in der Kernzone des Nationalparks Berchtesgadener Land. Die Teufelshörner präsentieren sich heute jedoch natürlich auch bereits in gleißendem Weiß.

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Vor ihnen ist der Röthbachfall zu erkennen, mit seinen ca. 400 Metern der höchste Wasserfall Deutschlands. Auf dem Bild nur als kleiner Strich zu sehen veranschaulicht er doch die Dimension der sich hier vor dem Auge ausbreitenden Landschaft.

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Und ein näherer Blick zeigt uns die Pracht und auch die Macht von Frost und Winter auf den Höhen…

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Während im Tal noch eine Mischung herrscht, aus schon beginnendem Herbst und noch frischem Grün. Interessant auch, wie manche Wand in der Sonne gelegen noch schneefrei ist, wo direkt nebenan doch ein völlig anderes Bild besteht.

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Es ist ein Genuss, diese Landschaft zu durchwandern, mit jedem Schritt ein neuer Blick. Und nur wenige Meter den Fußweg weiter zeigt sich auch unser eigentliches Ziel des Tages, denn wir gelangen zum Obersee. Der sich uns ein letztes Mal für dieses Jahr gleich in gewohnter Schönheit präsentiert. Nach den langen Tagen vielen Regens fühlt sich dieser Anblick wie ein neues Erwachen an. Endlich wieder Natur.

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Sofort ziehen uns auch Spiegelungen wieder in ihren Bann. Und Glücksmomente breiten sich aus. Es ist unbeschreiblich, wie sehr diese Umgebung die Sinne ergreift.

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Eine wohlige Stimmung ergibt sich, und Harmonie, ganz unmittelbar.

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Mit staunenden Augen tauchen wir tief hinein in diese Eindrücke und verlassen jeden Gedanken. Man lächelt nur, und freut sich.

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Und wird eins mit allem ringsherum, der Tag wird zum Geschenk. Denn allenthalben eröffnen sich schönste Blicke und Motive.

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Vielleicht ist es die Überflutung der Sinne mit einer Vielzahl unglaublichst eindrucksvoller Reize, die den wundervollen Frieden dieses Ortes überhaupt erst erzeugen kann.

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Berge, die im Wasser schwimmen.

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Vielleicht ist es aber auch einfach seine Lage, in so herrlicher Symmetrie gebettet, durch hohe Flanken umrahmt, abgelegen, verborgen, geborgen.

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Oder auch sein klare, ruhige Fläche, die für zahllos überraschende Effekte sorgt.

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Man kann es nur schlicht wiederholen, mit jedem Schritt bieten sich stets immer neue, wunderbare Blicke dar. Und man erkennt bizarre Formen, je näher man hinschaut, um so mehr. Das im nächsten Bild zu sehende Muster könnte gut das Gesicht einer schmunzelnden Katze sein.

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Es wurde irgendwie zum Motiv des Tages und wird uns noch öfter begegnen. Ist es zu erkennen?

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Bei solchen Bildern stellt einem sich die Frage, worauf man sich nun konzentrieren soll. Auf die Gesamtheit, oder das Detail? Man kann sich nicht sattsehen, an den Bergwänden im grünen See, an all den Felsen, Mustern und Formationen. Versinken kann man, mehr nicht. Denn klein, sehr klein, ist der Mensch.

Hinter uns nun, bereits ein gutes Stück zurück, liegt das Bootshaus am Oberseeanfang.

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Wir sind also schon vorangekommen, wenn wir auch an vielen Orten verweilten und staunen mussten. So wie auch am nächsten Ort. Denn da erscheint sie wieder: die Katze. :-)
Links im Bild sind auch zwei kleine Wasserfälle zu erkennen, die sich aus den Felsen ergießen. Wie mag es dort aussehn, im Innern des Bergs, wo sie herkommen?

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Das folgende Bild ist vom gleichen Platz aufgenommen wie das obige und nur eine Nuance entfernt. Gleich bietet sich ein völlig anderer Eindruck.

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Und die Muster verändern sich.

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Je weiter man weggeht, desto mehr.

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Und mehr.

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Und mehr.

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Wir sind immer noch am gleichen Ort.

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Worauf soll man sich konzentrieren? Auf die Gesamtheit?

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Oder das Detail?

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Wir wandern beseelt und beeindruckt von diesem Platz nun wieder voran. Und erfreuen uns an weiter stetig wechselnden Szenerien.

An sonnenbeschienenen Ufern.

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An weißen Gipfeln mit vereisten Tannen, die uns einfach zu Füßen liegen.

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Und der Endpunkt des Obersees, die Fischunkelalm, zeigt sich uns jetzt. Der See liegt in diesem Moment in völliger Windstille, was Spiegelungen ungeahnter Klarheit erzeugt.

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Auch an den Ufern zur linken Seite der Alm, wo schroffe Wände immer noch unmittelbar gen Himmel ragen.

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Hinter der Fischunkelalm sieht man die Wände der Röth, durch sie hindurch führt ein Steig zu Wegen hinauf Richtung Hagengebirge und zum schon erwähnten Steinernen Meer.

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Wir jedoch genießen das Idyll herunten am See, und werden vieles von diesem Tag in unseren Herzen behalten.

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Und halten es auch in Bildern fest. :-) Seht Ihr, wie in der Bildmitte unten die Berge verschwimmen? Steine und Äste am Seegrund vermischen sich überall mit den Konturen.

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In pastellfarbenen Tupfern schwimmt sich der Bergwald auf der Seeoberfläche.

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Die an anderer Stelle gleich wieder andere Bilder zu schaffen vermag, voller Magie.

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Auch unsere Katze ist wieder da. :-) Sie trägt nun einen Strahlenkranz. Fiel er uns vorher auf?

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Und schon entfaltet sich wieder ein neuer Zauber.

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Im Gesamten, wie auch im Detail. ;-)

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Näher rückt nun die Almhütte, der Steig auf dem wir uns bewegen führt uns jetzt etwas höher am Ufer entlang. Was neue Tiefblicke erlaubt. :-)

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Wir sind am Ende des Obersees angelangt, der Blick geht zurück. Wenn Wolken im Wasser klarer sind als am Himmel, ist man am richtigen Ort. :-)

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Hinter den Bäumen im Bildhintergrund liegen Watzmann und Königssee.

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Und auf der Fischunkelalm grasen noch die letzten Kühe. Sie werden jedoch tags darauf den Obersee für den Winter verlassen und mit Booten über den Königssee in ihre heimischen Ställe gefahren werden.

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Dies muss so geschehn, denn entlang des Königssees führt kein Weg. Und der Winter naht schnell, er kündigt sich schon deutlich an.

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Gewaltig und fast unwirklich erscheinen die schon schneebedeckten Höhen so in ihrer nächsten Nähe. Tief verschneite Bäume ragen an bizarren Stellen empor, was sonst so gar nicht auffällt. Auch Schnee kann neue Kontraste zeigen.

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Uns ist die Sonne im Tal aber noch lieber, wenngleich es auch hier schon recht kühl ist. Schneekälte, so sagt man hier, wenn im Herbst der erste Frost von den Bergen herabweht und der Sonnenwärme entgegenwirkt.

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So machen wir uns also auf den Rückweg, und blicken noch einmal zurück ans Ufer der Fischunkelalm mit ihrer schön gelegenen Bootshütte.

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Sie wird, soweit ich weiß, nur gelegentlich für Transporte zur Alm genutzt. Und kleine Kälber, die den für sie teils beschwerlichen Steig am Ufer nicht meistern können, dürfen über den Obersee fahren.

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Auf unserem Rückweg zu Fuß genießen wir noch einmal tief die Blicke. Oben und unten vermischen sich wieder, solche Bilder malt nur die Natur, sonst keiner.

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Und auch nur sie kann solche Wasserfarben.

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Am Boden zeigt der Herbst ein Potpourri.

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Und nun heißt’s Abschied nehmen, für dieses Jahr.

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Letzte Blicke gehen zurück auf den See, an dessen Anfang wir nun wieder sind.

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Und der uns wie immer ein Herz voller Freude bereitet hat, bei unserem Besuch. Ein Geschenk, in seiner wahrhaft entrückten, faszinierenden Welt.

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Schon wieder auf dem Boot am Königssee gleiten wir sodann an dicht bewaldeten Ufern entlang. Erste Herbstfarben zeigen sich auch dort.

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Wir fahren wieder an St. Bartholomä vorbei.

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Und genießen auch die Ausblicke auf unserer Rückfahrt.

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In Gedanken hängen wir aber noch am kleineren See, dort hinten, der seinen großen Bruder bei Weitem übertrifft. Und uns schon so oft so viele schöne und bleibende Eindrücke beschieden hat.

Auf Wiedersehn, lieber Obersee, und bis zum nächsten Jahr!

Wir sagen Dir viele Grüße!

Steffi und Franz

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Eine Antwort zu “Ein besonderer Tag am Obersee

  1. JuNa

    Es war fast, als wäre ich dabei gewesen. Toller und auch philosophischer Wanderbericht vom Co-Autor, den ich hier herzlich grüße. Wieder einmal herrliche Bilder. LG

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